Die Geschichte

Auf einem Dachboden schlummerte der folgende Brief über viele Jahre. Nun wurde er gefunden und das darin beschriebene Rezept zum neuen Leben erweckt.

 

 

Mein lieber großer Bruder!

 

Es tut mir leid, Euch solange im Unklaren über meinen Verbleib gelassen zu haben.

Meine Wanderung hat mich jetzt in den schönen Harz verschlagen.

Mein neuer Meister ist recht streng, aber er versteht sein Handwerk. Ich denke, viel von Ihm lernen zu können. Er duldet keine Schlampereien, keine Unpünktlichkeit und lässt uns keine Ruhe bis wir seiner Vorstellung des rechten Handwerks genügen.

Aber er weiß doch auch zu feiern und lässt sich nicht lumpen, wenn es darum geht, Gäste zu bewirten.

Es ist jetzt zwei Wochen her, dass er seine Schwester verheiratet hat. Es gab einen großen Schmauß! Das ganze Dorf war geladen, und kaum jemand der ohne Schwanken nach Hause ging.

Aber das Beste war, und das wird meinen Fleisch besessenen großen Bruder interessieren, eine kleine unscheinbare Wurst, die der hiesige Fleischer herstellt. Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gekostet. Diese Wurst wird auf Holzkohle gebraten und ist wirklich besser als jede Wurst, die ich bisher gegessen habe. Sie ist von sehr würzigem Geschmack. Ein Geschmack der vertraut und doch schwer zu bestimmen ist...

Dem späten Abend und der großzügigen Bewirtung meines Meisters  habe ich wohl zu verdanken, dass ich dem großen Metzgermeister sein Geheimnis  entlocken konnte. Nicht dass die Wurstmischung nicht nur Schwein sondern auch Kalb enthält...

Du wirst es nicht glauben, was diese besondere Zutat zu dieser großartigen Wurst ist...

....... Weihnachtsbäume!

Ich scherze nicht, tatsächlich, es sind Fichtennadeln!

Er erzählte mir, wie Ihm vor einiger Zeit ein mediterranes Gewürz mitgebracht worden wäre, dessen Name ich vergessen habe, wohl der guten Bewirtung meines Meisters geschuldet, und dass ihn dieses Gewürz so begeistert habe, dass er sich nach einem vergleichbaren, erschwinglichen heimischen Gewürz umgetan habe. Und verblüffender Weise hätte er festgestellt, dass es vor seiner Haustür wüchse.

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, wirst Du zitieren und mit Deinem weisen Haupte nicken,

Ich weiß, mein großer Bruder.

Bald komme ich nach Haus.

Grüß mir herzlichst meine Schwägerin, und sag Ihr ich warte sehnsüchtig auf ein Dutzend Neffen und Nichten.